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Die schöne Schachtel

CAM00610

Wir haben hier ja schon einiges erlebt, werte Leser. Eine Beisetzung mit allen (us-amerikanischen) militärischen Ehren, eine Überführung bei Nacht und Nebel, eine ihre Notdurft unter meinem Küchenfenster verrichtende Dame (über all dies werde ich noch ausführlich berichten), aber die Beerdigung eines emeritierten Pfarrers, der hier aus dem Ort stammte, war wohl doch das aufwendigste Ereignis bisher.

Nicht nur sage und schreibe 12 (!) Konzelebranten waren zum Begräbnis angereist, nein – darüber hinaus wurde der Sarg mit dem verblichenen Geistlichen  (sonst auf dem Lande ehr unüblich) in der Kirche aufgebahrt, statt vor der Leichenhalle. Und die Trauergäste strömten aus allen Ecken des Ortes herbei.

Entsprechend laut, voll und „geschäftig“ ging es an diesem Tage rund um unsere Wohnung zu. Das blieb auch von meiner dreijährigen Tochter nicht lange unbemerkt. Und da sie eine sehr neugierige Nase ist, wollte sie auch promt auf den Arm genommen werden, und mit mir zusammen aus meinem Schlafzimmerfenster schauen.

Ich hob sie gerade dann hoch, als die zwölf hohen Herren aus der Kirche auszogen. Direkt hinter ihnen wurde der Sarg mit dem Verstorbenen getragen. Was meine Tochter in helle Aufregung versetzte! „Ui, Mama!“, rief sie aufgeregt, „schau mal, was für eine schööööööne Schachtel! Ist da ein Schatz drin?!?“

Sie werden es mir nachsehen, liebe Leser, dass ich es nicht übers Herz brachte, meine kleine Tochter aufzuklären, sondern es bei einem vagen (und auch feigen) „Hm…ich weiß auch nicht…“ zu belassen. Ich konnte ihr diese kleinkindliche Illusion einfach nicht nehmen. V.a. deshalb nicht, weil sie lange gebraucht hat, um den Tod ihrer Oma zu verarbeiten, und ich die gerade geschlossene Wunde nicht wieder aufreißen wollte.

Neben all‘ diesen widersprüchlichen Gefühlen in mir überwog allerdings zuletzt eine art gerührter Humor. Kindermund tut einfach gut!

 

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