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Archiv der Kategorie: Friedhofsg’schicht’n

Die schöne Schachtel

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Wir haben hier ja schon einiges erlebt, werte Leser. Eine Beisetzung mit allen (us-amerikanischen) militärischen Ehren, eine Überführung bei Nacht und Nebel, eine ihre Notdurft unter meinem Küchenfenster verrichtende Dame (über all dies werde ich noch ausführlich berichten), aber die Beerdigung eines emeritierten Pfarrers, der hier aus dem Ort stammte, war wohl doch das aufwendigste Ereignis bisher.

Nicht nur sage und schreibe 12 (!) Konzelebranten waren zum Begräbnis angereist, nein – darüber hinaus wurde der Sarg mit dem verblichenen Geistlichen  (sonst auf dem Lande ehr unüblich) in der Kirche aufgebahrt, statt vor der Leichenhalle. Und die Trauergäste strömten aus allen Ecken des Ortes herbei.

Entsprechend laut, voll und „geschäftig“ ging es an diesem Tage rund um unsere Wohnung zu. Das blieb auch von meiner dreijährigen Tochter nicht lange unbemerkt. Und da sie eine sehr neugierige Nase ist, wollte sie auch promt auf den Arm genommen werden, und mit mir zusammen aus meinem Schlafzimmerfenster schauen.

Ich hob sie gerade dann hoch, als die zwölf hohen Herren aus der Kirche auszogen. Direkt hinter ihnen wurde der Sarg mit dem Verstorbenen getragen. Was meine Tochter in helle Aufregung versetzte! „Ui, Mama!“, rief sie aufgeregt, „schau mal, was für eine schööööööne Schachtel! Ist da ein Schatz drin?!?“

Sie werden es mir nachsehen, liebe Leser, dass ich es nicht übers Herz brachte, meine kleine Tochter aufzuklären, sondern es bei einem vagen (und auch feigen) „Hm…ich weiß auch nicht…“ zu belassen. Ich konnte ihr diese kleinkindliche Illusion einfach nicht nehmen. V.a. deshalb nicht, weil sie lange gebraucht hat, um den Tod ihrer Oma zu verarbeiten, und ich die gerade geschlossene Wunde nicht wieder aufreißen wollte.

Neben all‘ diesen widersprüchlichen Gefühlen in mir überwog allerdings zuletzt eine art gerührter Humor. Kindermund tut einfach gut!

 

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Deutschland sucht das Supergrab

2013-11-01 17.31.20

Zugegeben, werte Leser Allerheiligen ist schon ein paar Tage her. Allerdings hält der Eindruck, den ich vor diesem hohen kirchlichen Feiertag gewonnen habe, nach wie vor an. Eigentlich jedes Mal, wenn ich aus einem meiner Fenster schaue, werde ich wieder an die Ereignisse um den 01.11.2013 erinnert.

Natürlich ist es normal, dass man (evtl. bereits schon am Vorabend) seinen vorausgegangenen Lieben ein paar Grablichter, Brennschalen, Fackeln und ähnliches auf’s Grab stellt. Schließlich geht es ja an Allerheiligen und dem darauffolgenden Allerseelen auch und gerade um unsere Verstorbenen. Und v.a. in ländlichen Gebieten ist der priesterlich begleitete, nachmittägliche Friedhofsgang am 1. November ohnehin obligatorisch.

Na, und da muss natürlich alles stimmen! Da sollen die anderen Leute ruhig mal sehen, was uns unsere Toten wert sind! Herausgeputzte Gräber, mit den üblichen Gestecken und Lichtlein versehen, sind die üblichen, äußeren Zeichen. Soweit, so gut. Oder so schlecht – das liegt im Auge des Betrachters.

Was aber bei meinen neuen Nachbarn vor sich ging, und zwar schon mindestens eine Woche vorher (!), spottet jeder Beschreibung. Fast an jedem Grab (v.a. an denen mit hochglänzenden, stereotypen Grabsteinen) wurde gewienert, poliert, mit Wurzelbürste und Seifenwasser abgeschrubbt, was das Zeug hielt. Zwei Tage später wurden dann allerorten riesige Ungetüme von mehr oder weniger geschmackvollen Blumen- und Gesteckschalen verteilt. Je größer und hässlicher, desto besser. So war zumindest mein Eindruck.

Etwa drei Tage vorher – ich dachte schon, schlimmer geht’s eigentlich nicht mehr – fing er dann an, der Kampf ums „Best Grave Ever“. Nicht nur, dass nochmals abschließend poliert, gewischt und die letzten Staubkörnchen höchstpersönlich weggepustet wurden, nein – es entstand ein regelrechter Wettbewerb darum, wer die meisten, schönsten und auffälligsten Lichter auf „seinen“ Gräbern vorzuweisen hat. Und – ob Sie es glauben oder nicht – nicht ohne einen kritischen Seitenblick auf das Nachbargrab. Da wurden (nachweislich!) die  einzelnen Lichter der umliegenden Gräber gezählt (!), nur um dann (nach einem kurzen Besuch im nächsten Supermarkt) beleuchtungstechnisch noch mal nachzurüsten. Getreu dem Motto: „Immer eines mehr als Du“…

Aber das ist noch nicht alles. Es gab auch einen regelrechten Contest, wer die Lichter in der schönsten und auffallendsten Formation auf die Gräber stellen konnte.

Das Ergebnis war ein (an sich schön anzuschauendes) Lichtermeer, wie ich es auf noch keinem Friedhof um diese Jahreszeit je gesehen habe. Auf einem einzelnen Grab habe ich z.B. sage und schreibe zwanzig (!) Grablichter gezählt. Selbstverständlich schön arrangiert und in Reih‘ und Glied. Und offenkundig standen die meisten Lichter auf genau den Gräbern, die sonst das ganze Jahr über ehr nur sporadisch besucht werden, und sonst einen ehr vernachlässigten, regelrecht „toten“ Eindruck machen.

Ein Schelm, wer Böses dabei denkt…

 

Neue Rubrik: Friedhofsg’schicht’n

2013-04-12 10.08.16

Werte Leser!

Wie Sie vielleicht mitbekommen haben, bin ich mit meiner kleinen Familie Anfang April, nach fast 11 Jahren in unserem kleinen Hexenhäuschen in meinem beschaulichen (aber manchmal auch bösartigem) Heimatdorf  in die (nächstgrößere) Nachbargemeinde gezogen.

Wie jeder Umzug, hat dies auch uns neue Nachbarn beschert. In unserem Fall besteht diese Nachbarschaft (neben einer netten, älteren Dame) aus der Dorfkirche und – sogar von zwei Seiten (sozusagen fast eingekesselt) aus dem örtlichen Friedhof.

Die Reaktionen darauf sind bzw. waren vielfältig. Von „Wie hältst Du den täglichen Anblick denn nur aus?“ bis hin zu: „Cool!“, „Gruselig“, „Geht gar nicht“ war alles dabei.

Eines kann ich aber bereits jetzt – nach knapp zwei Monaten in unserem neuen, chicen Zuhause – bereits sagen: Sie sind sehr ruhig und verträglich, meine neuen Nachbarn! 😉

Allerdings bleibt es nicht aus, dass man buchstäblich bei fast jedem Blick aus dem Fenster Neues entdeckt, kleine Geschichten wittert, oder unfreiwillig Zeuge von kleineren Anekdoten oder Grotesken wird.

Grund genug für mich, dieser ganzen Szenerie eine neue Rubrik zu widmen: Die Friedhofsg’schicht’n.

Wundern Sie sich also nicht, wenn Sie dann und wann einen (wie ich hoffe) augenzwinkernden, aber dennoch würdevollen Blick hinter die Kulissen serviert bekommen.

Ich wohne übrigens gerne hier. Die Wohnung ist ein Traum mit all‘ ihren Dachbalken und -gauben und den schier unendlichen Dekorationsmöglichkeiten. Und meine ganz speziellen Nachbarn schrecken mich nicht. Im Gegenteil. Seit dem viel zu frühen Tod meiner geliebten Mama im vergangenen Sommer habe ich schmerzlich erfahren müssen, dass der Tod zum Leben gehört, und somit haben Friedhöfe zumindest für mich ihren Schrecken verloren.

Freuen Sie sich deshalb einfach mit mir auf und an den neuesten „Friedhofsg’schich’tn“. So ein Friedhof kann nämlich sehr viel erzählen…auch und gerade über die Lebenden 😉

herzliche grüße,

ihre

textinette