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Archiv für den Monat August 2010

Mach’s gut, Erich..

Es ist immer noch wie ein Schock. Von Freitag auf Samstag Nacht ist er zu den Sternen gereist, mein Musikerkollege und Sitznachbar Erich.
Ich erinnere mich noch genau, als er das erste Mal zur Probe zu uns Maidbronner Musikanten kam. Zusammen mit seinem Freund Jockl kamen sie ab dato jeden Donnerstag aus Kürnach zu uns „rüber“ gefahren. Als beim ersten Mal die Tür aufging, und die beiden herein kamen, weiß ich noch ganz genau, wie ich die Nase gerümpft habe, weil Erich einen Dunst aus Zigarettenrauch und abgestandenem Bier verströmt hat. „Ihhh, den mag ich nicht“, war das Erste, was ich gedacht habe. Dementsprechend reserviert reagierte ich auch die ersten ein, zwei Male, die er mich ansprach, den Kontakt zu mir suchte. Und was soll ich sagen? Es tut mir heute noch leid. Denn eines habe ich dann doch ganz schnell erkannt: Erich war der ehrlichste, anständigste und aufrichtigste Kerl, den ich kenne. Er konnte gar nicht anders. In all‘ den Jahren habe ich Erich so gut wie nie grantig oder genervt erlebt. Eigentlich hatte er immer ein Lächeln auf den Lippen. Wurde er von seinen Kollegen auf den Arm genommen, nahm er es selten krumm. Im Gegenteil. Erich hat meistens am lautesten gelacht..

Von unseren „Startschwierigkeiten“ einmal abgesehen, war unser Verhältnis zueinander sehr einfach zu umschreiben: Erich mochte mich, und ich mochte ihn auch, den Erich. Das ging sogar soweit, dass wir unserem „oberen Management“ vor Jahren einmal eine (nicht ganz ernst zu nehmende) „Petition“ vorgelegt haben, aus der hervorging, dass wir ab sofort IMMER nebeneinander sitzen mögen. Auch bei Auftritten. Nicht nur in der Probe. Und da unserem Wunsch, wann immer es ging, Rechnung getragen wurde, waren wir fast jahrzehntelang „Nachbarn“. So eine „Nachbarschaft“ brachte es natürlich auch mit sich, dass wir nicht nur einige richtig gute Parties zusammen gefeiert haben, nicht nur gegenseitig die Lieblings- und die „Hass“-Stücke kannten, nicht nur unzählige Male richtig gute Musik gemacht haben zusammen, sondern dass wir auch, über die Jahre hinweg, ein wenig die Sorgen und Probleme des jeweils anderen kennengelernt haben. Erich war einer der wenigen in dem ganzen „Haufen“, der auf seine Frage: „Na, Susanne – wie geht’s?“ auch eine (ehrliche) Antwort abgewartet hat. Und umgekehrt. Er war kein Mann der großen Worte, war weder total belesen, noch studiert. Aber er war authentisch, ehrlich, echt.
Wenn ich ein wenig den Kopf hebe, fällt mein Blick auf meinen Sessel im Wohnzimmer, den Erich damals, bei meinem Umzug höchstpersönlich (und ohne Anleitung *gg*) zusammengeschraubt hat. Auch bei solchen Dingen nämlich, konnte man auf Erich jederzeit zählen.

Bedingt durch meine Babypause, haben wir dieses Jahr keinen einzigen Auftritt zusammen gespielt. Als wir uns das letzte Mal gesehen haben, Erich war gerade auf dem Weg zur Probe, haben wir uns verabredet. Auf ein gutes, leckeres „Andechser Dunkel“, welches wir nächstes Jahr beim „Rimparer Theatersommer“ wieder miteinander trinken wollten, wenn wir wieder zusammen Musik machen würden. Ich hätte nicht im Traum daran gedacht, dass daraus nichts mehr werden wird..

Mein tiefes Mitgefühl gilt natürlich auch seiner (ebenso netten) Frau Christa, und ihrer Tochter Sabrina. Ich glaube nicht, dass man sich als Außenstehender vorstellen kann, was die Beiden nun durchmachen müssen. Ich hoffe so sehr, dass für seine Familie möglichst bald wieder ein klein wenig die Sonne scheinen wird.

Und „unser’m“ Erich – dem wünsche ich von ganzem Herzen eine gute Reise. Mach’s gut, Erich…

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Verfasst von - August 9, 2010 in textinette privat