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Archiv für den Monat April 2010

Stay tuned, Männer!

Wer mich kennt, der weiß, dass ich Musik über alles liebe. Wer mich ein bisschen besser kennt, der weiß, dass ich – völlig unmodern, und eigentlich völlig gegen meine Art – seit mehr als 20 Jahren Klarinettistin/Saxophonistin in unserer Dorfkapelle bin. Und: Wer mein Blog verfolgt, der weiß auch, dass es durchaus einen Grund bzw. einen Auslöser für dieses völlig „unmainstreamhafte“ Verhalten gibt. Wer NICHT weiß, was ich meine, kann das hier nochmals nachlesen.
Soweit, so gut. Bedingt durch eine einjährige Zwangspause, dachte ich eigentlich, dieses Jahr wieder „angreifen“ zu können, schließlich beginnt die Saison der Maidbronner Musikanten in wenigen Tagen, am 30.04.2010, anlässlich der ortsüblichen Maibaumaufstellung. Ende Juni/Anfang Juli folgen dann die schönsten Auftritte im Jahr, nämlich die während des „Rimparer Theatersommers“.
Doch erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt: Die „Zwangspause“ wird sich wohl noch ein Weilchen länger hinziehen. Diesmal allerdings kann man sie getrost „Babypause“ nennen…
Je näher der Termin der „Saisoneröffnung“ rückt, desto wehmütiger werde ich. Es ist nicht unbedingt die Musik an sich (ehr nicht so ganz meine Richtung 😉 ), es ist vielmehr das Gemeinschaftserlebnis, der Zusammenhalt – und ja – auch ein winziges bisschen der „Sonderstatus“, den man als einzige Frau unter lauter Männern so dann und wann genießt, den ich wieder sehr vermissen werde. Die Insiderwitze, über die nur die Kapelle lacht, die gute Stimmung, das nervöse Kribbeln, das sich immer noch breit macht, bevor der erste Ton erklingt, die Zufriedenheit, wenn man einen guten Job gemacht hat, die Annerkennung der „Fans“ (wenngleich selbige ehr immer älter werden :D), die wohlig-süße Erschöpfung, die sich nach einem solchen Auftritt bemerkbar macht – all‘ das findet dieses Jahr wieder ohne mich statt.
Und ich weiß schon jetzt (so bin ich halt), dass das ein oder andere Tränchen kullern wird, wenn am Freitag Abend die ersten Takte von „meinen“ Männern zu hören sein werden. Auch, wenn ich sie nur von zuhause aus werde hören können.
Trotzdem, oder gerade deshalb wünsche ich meinen Kollegen einen traumhaft schönen, musikalischen Sommer.
Stay tuned, Männer!

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Verfasst von - April 28, 2010 in textinette privat, Uncategorized

 

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Nebenwirkungen

Heute Nacht, als ich nicht in den Schlaf fand, total geschockt war ob des Todes meiner Kollegin, hätte ich es beinahe getan. Ich hätte beinahe SEINE Nummer gewählt, hätte so gerne mit ihm geredet, mich ein wenig trösten, ablenken lassen. So gerne hätte ich seine Stimme gehört. Doch dann fiel mir – rechtzeitig – wieder ein, dass es eben so ist, wie es ist…
Ich habe die Hand wieder sinken lassen, bevor meine Finger die Tasten berühren konnten. Und ich bin darüber traurig und erleichtert zugleich…

 
3 Kommentare

Verfasst von - April 5, 2010 in textinette privat, Uncategorized

 

Der lange Abschied von Frau D.

Gestern Abend gegen zehn (ich lag schon im Bett) erreichte mich ein Anruf der Nachbarin von meiner Arbeitskollegin und Zimmergenossin, den ich noch nicht mal selbst entgegen nehmen konnte, weil ich eigentlich schon geschlafen hatte.
Die Nachbarin teilte mir mit, man hätte Frau D. gestern tot in ihrer Wohnung gefunden.

Dies ist das traurige Ende einer von ihr selbst gewählten Leidensgeschichte. Seit Monaten schon sah man ihr deutlich an, dass sie krank ist. Sehr krank. 25kg unfreiwilliger Gewichtsverlust innerhalb weniger Monate sind für sich alleine genommen schon kein besonders gutes Zeichen.
Aber sie hielt sich tapfer, bis vor wenigen Wochen war ihr erster Gang morgens im Büro immer der zum Spiegel, um die Haare nach zu frisieren, sie erzählte mir viel von früher, ich lernte von ihr. Und ich ärgerte mich auch über sie. Weil sie schon eine sehr „spezielle“ Art an den Tag legte. Zumindest manchmal.
Dann kam der Tag, an dem sie sich Urlaub nahm, weil es ihr zusehends schlechter ging. Urlaub wohlgemerkt, weil sie ärztliche Behandlung vehement abgelehnt hat. Daran änderten auch die „Engelszungen“ nichts, mit denen wir Kollegen, und unser Chef, auf sie eingeredet hatten. Als sie an diesem Tag ehr nach Hause ging, war sie so gelb wie eine Quitte im Gesicht, und wir rechneten eigentlich damals schon mit dem Schlimmsten.
Für uns war es alles andere als leicht, tatenlos zuzusehen, ich machte sogar noch ihre komplette Nachbarschaft mobil, weil ich mir solche Sorgen gemacht hatte. Das „Ende vom Lied“ war, dass sie nach gut einer Woche wieder zur Arbeit erschien, nicht ohne uns Kollegen bittere Vorwürfe gemacht zu haben, weshalb wir uns so eingemischt hätten, und ihre Nachbarn „auf sie gehetzt“ hätten. Ab diesem Zeitpunkt beschloss ich, beschlossen wir, dass wir nichts mehr für sie tun können. Ich saß bis zuletzt mit ihr in einem Büro, habe „live“ miterlebt, wie sie sich gequält hat, vor Schmerzen gestöhnt hat, manches Mal zu gar nichts mehr in der Lage war. Anfangs redete ich noch auf sie ein, bat sie inständig, doch zum Arzt zu gehen, bot mich an, sofort mit ihr in ein Krankenhaus zu fahren. Nachdem ich mir aber wieder und wieder ehr trotzige, fast giftige Antworten anhören musste, lies ich auch das irgendwann sein.
Sie verfiel zusehends. Nur noch Haut und Knochen, das Gesicht weiß wie die Wand und eingefallen, ihre Haare – auf die sie sonst so stolz war, und großen Wert auf eine gute Frisur gelegt hatte – klebten stumpf, ungewaschen und schütter an ihrem Kopf. Gerade für mich als unmittelbare Zimmerkollegin – aber auch für alle anderen – war es manchmal eine Qual, da zusehen zu müssen.

Seit ca. 3 Wochen wurde es immer schlechter, es passierten einige (ich nenne es mal „körperliche“) Malheure auf der Arbeit, die ich hier nicht ausbreiten will. Trotzdem schleppte sie sich tapfer durch den Tag, und kam jeden Morgen pünktlich zur Arbeit.
Am vergangenen Donnerstag nun, ging wohl gar nichts mehr. Sie saß apathisch über eine Stunde lang auf dem Besucherstuhl in unserem Zimmer, unfähig zu sprechen oder sich zu bewegen, so dass meine Kollegen beschlossen, sie nach Hause zu fahren.

Und wie sich gestern heraus gestellt hat, hat man sie zum Sterben nach Hause gefahren. Frau D. starb – laut Arzt- wohl bereits am Karfreitag in ihrer Wohnung. Alleine. So, wie sie es offenbar wollte. Weil sie niemanden mehr hatte. Ihre Mutter (bei der sie ein Leben lang geblieben war) ist seit einigen Jahren schon tot, und in gut einem Jahr hätte ihr die Pensionierung „gedroht“. Ganz offensichtlich wollte sie einfach nicht mehr, hat diesen Weg bewusst gewählt.

Auch, wenn alle Umstehenden (mich eingeschlossen) das nicht verstehen können, wir haben es zu akzeptieren. Es war ihr Wille, der durch nichts gebrochen werden konnte. Sie wollte gehen. Frau D. wurde 59 Jahre alt.

Ich hoffe sehr, dass es ihr – da, wo sie jetzt ist – besser geht.

 
2 Kommentare

Verfasst von - April 5, 2010 in textinette privat

 

Ein frohes Osterfest…

…wünscht textinette allen treuen Leserinnen und Lesern! 😉

 
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Verfasst von - April 4, 2010 in Daily-Think