RSS

Archiv für den Monat Dezember 2009

…Erich Fried

VORÜBUNGEN FÜR EIN WUNDER

Vor dem leeren Baugrund
mit geschlossenen Augen warten
bis das alte Haus
wieder dasteht und offen ist

Die stillstehende Uhr
so lange ansehen
bis der Sekundenzeiger
sich wieder bewegt

An dich denken
bis die Liebe
zu dir
wieder glücklich sein darf

Das Wiedererwecken
von Toten
ist dann
ganz einfach

– Erich Fried –

 
5 Kommentare

Verfasst von - Dezember 29, 2009 in textinette liest...

 

So, wie die Alten sungen…

Seit Tagen schon juckt es in den Fingern, meine Gedanken aufzuschreiben. Bis gestern kam ich eigentlich zu dem Schluss, dass dies nicht nötig sei. Nach dem heutigen, anrührenden Erlebnis jedoch, möchte ich es dennoch tun.

Nach einem Jahr krankheitsbedingter, beruflicher „Zwangspause“ habe ich am 01.12.2009 meine Tätigkeit in meiner Firma wieder aufgenommen. Allerdings mit verändertem/erweitertem Aufgabengebiet. Und ein neues, schickes Büro zugeteilt bekommen. In diesem Büro allerdings sitzt noch ca. eineinhalb Jahre lang eine „Altlast“ der Abteilung. Meine Kollegin, Frau D., vor der ich – schon weit vor Arbeitsantritt – ausgiebig „gewarnt“ wurde. Sie sei teils lästig, schrullig, sehr eigen, mega-empfindlich, rede wie ein Wasserfall und ich solle aufpassen, dass ich bei ihr nicht „unter die Räder“ komme, und acht geben, dass sie mich nicht mit einem Azubi verwechseln würde. Und ich solle mir nur ja nichts gefallen lassen von „der“, usw. usw.

Frau D. kann auf über 40 Jahre Berufserfahrung zurückblicken. Aber nicht nur das. Auch auf ein sehr bewegtes Leben, in dem nicht immer alles gut gegangen ist. Als junge Frau, eigentlich voller Pläne für die eigene Zukunft, starb ihr Vater ganz plötzlich und für alle unerwartet, und Frau D. begrub Ihre Träume und blieb statt dessen bei Ihrer Mutter. Um ihr beizustehen, mit ihr zusammen das Eigenheim zu halten etc. Das aber war noch lange nicht alles: Sie hat nie geheiratet, ist immer bei ihrer Mutter geblieben und hat selbige bis zu deren Tod vor ein paar Jahren gepflegt. Jetzt ist Frau D. ganz alleine, niemand erwartet sie, wenn sie abends von einem anstrengenden Tag im Büro nach Hause kommt. Und trotzdem gibt diese Frau niemals auf: Sie reist für ihr Leben gern und viel, lernt dadurch immer wieder neue, interessante Menschen kennen. Sie kümmert sich aufopferungsvoll um die Alten aus dem Dorf, bekleidet einige Ehrenämter, wird nie müde.

„Lass‘ Dich ja nicht auf Ihren Parfümtick ein, das ist alles nur Show…“, bekam ich nahegelegt. Ja, Frau D. verträgt nicht alle Gerüche/Düfte, gibt an, davon höllische Kopfschmerzen zu bekommen. Ganz zaghaft fragt sie an, ob es mir was ausmachen würde, auf Parfüm zu verzichten, während unserer gemeinsamen Bürozeiten. „Nein, es macht mir nichts aus“, gebe ich zur Antwort und meine es auch so. Ich breche mir sicher keinen Zacken aus der Krone, wenn ich während der Dienstzeit auf Parfümierung verzichte. Erstaunt sehe ich, dass sie scheu lächelt, feuchte Augen bekommen hat. „Danke. Sie sind die erste Kollegin, die darauf Rücksicht nimmt. Die anderen haben sich immer extra stark „eingedüftelt“, ist ihre Antwort auf meinen fragenden Blick.

Frau D. redet gerne. Und viel. Aber ich lausche ihnen gerne, den Geschichten und Begebenheiten, die sie zu erzählen weiß. Und ja: Frau D. hat eiserne Prinzipien, die sie auch vehement verteidigt, jeglichem Mainstream zum Trotz. Nur: Was ist so falsch daran? Und ja: Frau D. mag keine Briefe auf dem PC schreiben, vermisst ihre Schreibmaschine, und die Zeiten, in denen Geschäftsbriefe noch mit derselben getippt wurden. „Lass‘ Dich ja nicht als Tippse missbrauchen“, bekam ich von jemandem aus der Abteilung zu hören. Ja, und warum nicht? Was ist so schlimm daran, wenn ich für Frau D. mal schnell einen Brief „runterschreibe“, den sie mir diktiert? Im Gegenzug dazu bekomme ich nämlich exklusive Einblicke in ein tiefes Fachwissen, das heutzutage nur noch sehr wenige Menschen in der Branche haben, haben können. Sie erklärt mir Zusammenhänge, von denen die jüngeren Kollegen noch nicht mal mehr wissen, wie sie entstanden sind, und zu welchem Zweck sie dienen. Ich lerne gern von ihr, brauche ich das Wissen doch dringend für meinen (Innen-)Dienst.

Ich will nicht ausschließen, dass wir beide uns im Laufe der Zeit nicht auch mal auf den Wecker gehen werden. Aber ich finde trotzdem, dass wir in der heutigen Zeit so eine „Frau D.“ dringend brauchen.
Der frische Wind der Jungen weht nämlich nicht ohne die Erfahrung der „Alten“. Wir brauchen beides, und sollten uns glücklich schätzen, wenn dieser „Mix“ gelingt.

Ich jedenfalls mag sie, die Frau D. Und ich glaube, sie mag mich auch ein bisschen. Sie hat mir nämlich heute – völlig unverhofft – ein kleines Weihnachtsgeschenk überreicht, dass ich zwar heute schon, aber bitte erst zuhause aufmachen durfte. Und diesmal war ICH es, der die Tränen in den Augen standen. Sie hat mir nämlich ein kleines, feines Büchlein über mein Lieblingsland geschenkt. Und das, obwohl ich nur ein einziges Mal erwähnt habe, dass und warum ich dieses Land so mag. Und ich behaupte mal, so viel Feingefühl hätte nicht jeder besessen, der sich erst knapp vier Wochen ein Büro mit mir teilt…

 
8 Kommentare

Verfasst von - Dezember 21, 2009 in Daily-Think

 

Schlagwörter: , , , ,

Auf vielfachen Wunsch…

Ich kenne einen Bandleader von dem jeder wusste, wenn er während eines Konzertes „Auf vielfachen Wunsch“ sagte, dann hat sich in Wahrheit niemand einen Song gewünscht, sondern er bastelte sich nur gerade selbst sein eigenes Wunschkonzert.

Nun, wie wir alle wissen ist das Leben eben kein Wunschkonzert – und wenn ich „Auf vielfachen Wunsch…“schreibe, dann schreibe ich das sicher nicht, um einem egomanen Ansinnen Ausdruck zu verleihen, sondern weil es wirklich so ist:
Es hat mich freudig überrascht, dass so viele Menschen meine Blogbeiträge vermisst haben. Viel habe ich zwar nicht geschrieben, aber ich habe nicht erwartet, dass meinem Blog doch so große Aufmerksamkeit zuteil wird. Nicht zuletzt der „Hannerl“-Fraktion ist es zu verdanken, dass ich mir und dem Bloggerleben noch eine Chance geben will. Die „Hannerl“-Fraktion hat mich nicht nur fast täglich dezent „geschubst“, sondern auch dafür gesorgt, dass einer meiner Artikel auf www.blogbibliothek.ch erschienen ist, einer sehr feinen, empfehlenswerten Seite mit ausgesuchten Blogartikeln.
So etwas schmeichelt natürlich ungemein 😉
Ich könnte mich jetzt noch etwas künstlich zieren, es darauf anlegen, dass man mir Honig ums Mäulchen schmiert, mich ein wenig an der mir zuteil werdenden Aufmerksamkeit weiden. Tu‘ ich aber nicht. Weil es ganz einfach nicht meine Art ist.
Deshalb nur soviel: Ich bin wieder da!

Herzlichst,
textinette

 
2 Kommentare

Verfasst von - Dezember 17, 2009 in Daily-Think