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Das “1+3″-Versprechen

Neulich im IKEA. Den Einkaufswagen längst vollgeladen mit Dingen, die ich eigentlich gar nicht brauche, froh über die Tatsache, dass heute wohl mal alles glatt gegangen ist, eile ich mit Sohnemann im Schlepptau Richtung Kasse. Mist. Zu früh gefreut. Selbst an den SB-Kassen (ja, genau – die zum selber scannen) herrscht Andrang. Eine Azubine, in klassischem Gelbblau gewandet, spielt Platzanweiserin. Statt zu kassieren, was die Schlangen vermutlich effektiver minimieren würde. Aber “Kasse machen” stand wohl bislang noch nicht auf dem Lehrplan.

Also reihe ich mich mit Einkaufswagen-Überlast, Sohnemann und bereits ein klein wenig nervös zuckendem Augenlid in die mir am kürzesten erscheinende Warteschlange ein. Innerlich stöhnend über die vermutlich lange Zeit, die ich mich als Glied in dieser unliebsamen Kette befinden werde, sortiere ich erst mal den ganzen Kleinkram im Wagen. Damit es nachher schneller geht. Immer schön vorbildlich den Barcode voraus, wie man es von mir als braver IKEA-Kundin erwartet. Ein kurzer Blick nach vorne zeigt schnell, dass diese Nebenbeschäftigung mir nur ein ganz klein wenig der Zeit vertrieben hat, die ich noch warten muss. Eigentlich eine gute Gelegenheit, mich mal ein bisschen umzusehen, die Menschen links und rechts neben mir zu beobachten, statt mir weiter unnütze Gedanken über meinen ins Wanken geratenen Zeitplan zu machen. Zuerst fällt mein Blick auf ein fast amüsantes Mutter-Tochter-Gespann, welches krampfhaft versucht, ein kleines Mädchen (naheliegender weise wohl das Tochter-/Enkelkind) am Ausreißen zu hindern. Mit latent vorhandener Häme stelle ich fest, dass die beiden in der Nachbarschlange wohl noch weiter hinten stehen, als ich in meiner. Rechts neben mir ein Rentnerehepaar mit – oh Wunder – nur EINEM Artikel in der Hand, krampfhaft auf der Suche nach einer  (nicht vorhandenen) Express-Kasse für maximal 6 Artikel. Er flucht, sie beschwichtigt. Er trippelt nervös von einem Fuß auf den anderen, sie sucht mit den Augen die nicht enden wollenden Warteschlangen ab, getrieben von der unsinnigen Hoffnung, doch noch eine Lücke zu finden. Er schimpft schon wieder. Und sie weiß nicht mehr, wie sie ihn und sich noch besänftigen soll. Es fallen ein paar unflätige, typisch fränkische Kraftausdrücke, die ich hier nicht weiter kommentieren möchte.

Nach dieser Beobachtung entschließe ich mich spontan, dass mir die ganze Warterei ab sofort gar nichts mehr ausmacht und versuche, einen möglichst geduldigen, weltgewandten und aufgeklärten Gesichtsausdruck hin zu bekommen. Zur Untermalung des Ganzen wende ich mich mit einem „Macht doch nix, oder? Wir haben Zeit, gell?“ an Sohnemann, der vor lauter Gähnen schon rotgeäderte Augen hat. Ganz kurz frage ich mich, woran es wohl liegen mag, dass mein Filius grundsätzlich in jeglicher Art von Warteschlange anfängt zu gähnen, als eine sonore, unverkennbar unterfränkische Männerstimme meine Gedanken jäh unterbricht, als sie über den Lautsprecher verkündet: „Lieber Kunde! Hol‘ Dir jetzt frische Ideen in Dein Wohnzimmer. ……blablabla…“. Ich kann der freundlichen Stimme leider gedanklich nicht mehr folgen, weil ich krampfhaft versuche dahinter zu kommen, was da so falsch klingt in meinen Ohren. Und mit einem Mal weiß ich es: Ein unterfränkischer IKEA-Mitarbeiter duzt seine Kundschaft. DAS stimmt also nicht. Aus seinem Mund und mit seinem Slang hört sich das „Du“ in etwa genauso richtig an, wie wenn man Würzburgs Bischof mit einem lockeren „Hey Friedi, alte Hütte! Alles fit?“ begrüßen würde.

Schwedische IKEA-Philosophie meets unterfränkische Steifheit. Na super! Innerlich giggelnd und kichernd über dieses “Beinahe-Absurdum”, schiebe ich meinen Einkaufswagen (immer noch weltmännisch schauend) ein Stückchen weiter Richtung Kasse. Gleichzeitig denke ich an IKEA in Fürth und male mir aus, wie sich die Kundendurchsage wohl in mittelfränkisch anhört? Mit diesem fiesen „l“? Deutlich sichtbar schüttle ich den Kopf, um diesen haarsträubenden Gedanken schnell loszuwerden. Um mich abzulenken, richte ich meinen Blick geradeaus und stelle fest, dass ich den Kassierer jetzt schon deutlich erkennen kann und nur noch sieben bis neun Kunden vor mir dran sind. Und mit einem Mal sehe ich es – unscheinbar  an einen Betonpfeiler getackert und in gewohnter IKEA-Manier geschrieben: Das Schild, das aussagt, dass IKEA es sich zum Ziel macht, „3+1“ zu erfüllen. Gemeint ist, dass IKEA  bestrebt ist zu erreichen, dass an allen Kassen immer nur 3 Leute warten, während 1 bezahlt. Ziel verfehlt, würde ich sagen.

Endlich an der Kasse angekommen ist dann übrigens schon wieder Schluss mit „Schweden meets Unterfranken“. Der Jüngling an der Kasse siezt mich. Und fragt mit strenger Miene nach meiner „Family“-Card. Die ich natürlich noch nicht habe. Was sich aber – nach weiteren gefühlten 5 Minuten und nicht ohne die zehn bis zwölf ungeduldigen Kunden hinter mir beinahe in den Wahnsinn zu treiben– schlagartig ändert…


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