Früher habe ich mich noch freuen dürfen, wenn ich in meinen (realen) Briefkasten gesehen habe. Neben den obligatorischen Rechnungen, Handwurfzetteln und der Reklame flatterte mir doch tatsächlich der ein oder andere, persönlich an mich gerichtete, handgeschriebene Brief ins Haus. Hach! Das waren noch Zeiten…Melancholisch denke ich daran zurück, wie ich dereinst seitenlange Briefe von meiner besten Freundin erhalten habe, um das letzte Wochenende haarklein zu analysieren (weil Telefonieren außerhalb des Ortstarifs noch schweineteuer war), oder wie ich glühende Liebesbriefe von meinem damaligen Verehrer bekommen habe. Handgeschrieben. Selbst einkuvertiert. Eigenständig frankiert und abgeschickt.
Und heute? Wenn man sich etwas zu sagen hat, dass 140 Zeichen nicht überschreitet, dann wird getwittert. Wer nicht twittern kann oder will, der postet die Neuigkeiten im Buschfunk von studi.vz & Co. Wenn es etwas intimer sein soll, dann wird eine SMS verschickt. Wenn es mal wieder länger dauert, schreibt man eine E-Mail. Ganz zur Not greift man schließlich zum Telefonhörer oder zum Handy. Aber einen BRIEF schreiben? Ganz echt wirklich und mit der Hand? Niiiiiiiiiemals! Oder nur in ganz, ganz seltenen Fällen.
Ich gebe es unumwunden zu: Auch ich folge dem Mainstream. Und das bezeichnenderweise sogar gerne und sehr häufig. Aber er fehlt mir eben doch: Der gute, alte Brief.