Kennen Sie das: Sie wollen eigentlich nur schnell noch hektisch die letzten kleinen Weihnachtseinkäufe tätigen, und schon werden Sie berieselt? Berieselt mit nicht enden wollender, quäkender Weihnachtsmusik? Und zwar in jedem verdammten Geschäft, in jeden noch so kleinen Laden, den sie betreten? Und wie oft bekamen Sie dabei schon in der Vorweihnachtszeit “Stille Nacht” zu hören? Sagen Sie nichts. Oft. Vermutlich einmal zu oft.
Ich frage mich dann stets: Was zur Hölle soll das? Wer lässt zu, dass die “Königin der traditionellen Weihnachtsmusik” bis zum sprichwörtlichen Erbrechen, und ohne Nachzudenken oder nur mit der Wimper zu zucken heruntergenudelt wird? Wieder und wieder?
Am Heiligen Abend, in der Christmette, wenn in der Kirche nach dem letzten Lied alle Lichter ausgehen, und nur noch der Christbaum beleuchtet ist. Und wenn man dann gemeinsam, und vielleicht sogar (so wie bei mir) mit Tränchen in den Augen “Stille Nacht” singt, DANN , ja dann hat das Lied seine Berechtigung. Dann ist Weihnachten.
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Stille Nacht?!
Höher, schneller – und noch weiter?!
Eine heute erhaltene E-Mail vom Chorleiter meines Sohnes hat mich nachdenklich gemacht. Dort wird darauf hingewiesen, dass man das diesjährige Weihnachtskonzert um einige Stücke kürzen müsse, da sich die Chormitglieder nicht genügend vorbereitet hätten. Man äußerte sich besorgt darüber, wie gestresst die Knaben seien. Sie seien “am Limit”, hätten äußerst glaubhaft begründet, warum sie sich nicht auch noch vernünftig auf die nun anstehenden, letzten Proben vorbereiten konnten.
Da stellt sich mir die Frage, wie so etwas passieren kann? Was muss geschehen, damit bereits unsere Kinder “am Limit” sind? Reicht es denn nicht aus, dass von uns Erwachsenen “Leistung bis zum Umfallen” gefordert, teilweise sogar erzwungen wird? Woran liegt es, dass unsere Kinder (von schulischen Verpflichtungen wie Hausaufgaben und Lernen einmal ganz abgesehen) von einem Termin zum anderen hetzen müssen? Einmal pro Woche Fußballtraining, zweimal pro Woche Chorprobe, danach noch schnell zum Klavierunterricht? Und jeder Trainer, jeder Lehrer verlangt in seiner Disziplin wenn nicht Höchstleistungen, dann zumindest eine passable (Mit-)Arbeit? Liegt das “nur” an unserer heutigen Gesellschaft, unserer schnelllebigen Zeit? Oder tragen so manche Eltern bzw. Elternteile mehr dazu bei, als man auf den ersten Blick vermuten würde? “Wenn Du das heutige Tempo nicht mitgehst, hast Du keine Chance.”, bekam ich mal von einem Vater zu hören. Nur: Gilt das auch und gerade für unsere Kinder? Sollten Sie denn nicht eines ohne Scham und ohne Konsequenzen tun dürfen, nämlich ihre Kindheit genießen? Und: Machen sich so manche Eltern nicht etwas vor, wenn sie behaupten, man könne ja gar nicht mehr anders, als sein Kind mit Terminen, Freizeitaktivitäten und Hobbies förmlich zu bombardieren? Kann man wirklich nicht? Doch! Man kann. Indem man seinem Kind zuhört zum Beispiel. Aktiv zuhört. Wirklich erfahren möchte, was es will, und was nicht. Seine Kinder genau beobachtet, ernstere Anzeichen von Stress erkennt, und dann die Konsequenzen daraus zieht. Unter Einbezug des Kindes – oder, wenn es nicht anders geht, als autonome Elternentscheidung. Vielen Eltern gelingt das. Einigen wiederum aber auch nicht. Diese letztgenannten Eltern bzw. Elternteile möchte ich eigentlich gerne schütteln, wachrütteln, sie mit der Nase auf das Offensichtliche stoßen: Sie wollen um jeden Preis, dass ihre Kinder das nachholen, was sie selbst in ihrer Kinder- und Jugendzeit versäumt haben. Aus den unterschiedlichsten Gründen versäumt haben. Und ich wünsche diesen Eltern, dass sie bald aufwachen mögen – wieder ihr Kind wahrnehmen, und nicht die eigenen, verpatzten und verpassten Chancen. Eines nämlich dürfen wir als Eltern auf gar keinen Fall: Uns in unseren Kindern im Nachhinein selbst verwirklichen wollen!
So, wie die Alten sungen…
Seit Tagen schon juckt es in den Fingern, meine Gedanken aufzuschreiben. Bis gestern kam ich eigentlich zu dem Schluss, dass dies nicht nötig sei. Nach dem heutigen, anrührenden Erlebnis jedoch, möchte ich es dennoch tun.
Nach einem Jahr krankheitsbedingter, beruflicher “Zwangspause” habe ich am 01.12.2009 meine Tätigkeit in meiner Firma wieder aufgenommen. Allerdings mit verändertem/erweitertem Aufgabengebiet. Und ein neues, schickes Büro zugeteilt bekommen. In diesem Büro allerdings sitzt noch ca. eineinhalb Jahre lang eine “Altlast” der Abteilung. Meine Kollegin, Frau D., vor der ich – schon weit vor Arbeitsantritt – ausgiebig “gewarnt” wurde. Sie sei teils lästig, schrullig, sehr eigen, mega-empfindlich, rede wie ein Wasserfall und ich solle aufpassen, dass ich bei ihr nicht “unter die Räder” komme, und acht geben, dass sie mich nicht mit einem Azubi verwechseln würde. Und ich solle mir nur ja nichts gefallen lassen von “der”, usw. usw.
Frau D. kann auf über 40 Jahre Berufserfahrung zurückblicken. Aber nicht nur das. Auch auf ein sehr bewegtes Leben, in dem nicht immer alles gut gegangen ist. Als junge Frau, eigentlich voller Pläne für die eigene Zukunft, starb ihr Vater ganz plötzlich und für alle unerwartet, und Frau D. begrub Ihre Träume und blieb statt dessen bei Ihrer Mutter. Um ihr beizustehen, mit ihr zusammen das Eigenheim zu halten etc. Das aber war noch lange nicht alles: Sie hat nie geheiratet, ist immer bei ihrer Mutter geblieben und hat selbige bis zu deren Tod vor ein paar Jahren gepflegt. Jetzt ist Frau D. ganz alleine, niemand erwartet sie, wenn sie abends von einem anstrengenden Tag im Büro nach Hause kommt. Und trotzdem gibt diese Frau niemals auf: Sie reist für ihr Leben gern und viel, lernt dadurch immer wieder neue, interessante Menschen kennen. Sie kümmert sich aufopferungsvoll um die Alten aus dem Dorf, bekleidet einige Ehrenämter, wird nie müde.
“Lass’ Dich ja nicht auf Ihren Parfümtick ein, das ist alles nur Show…”, bekam ich nahegelegt. Ja, Frau D. verträgt nicht alle Gerüche/Düfte, gibt an, davon höllische Kopfschmerzen zu bekommen. Ganz zaghaft fragt sie an, ob es mir was ausmachen würde, auf Parfüm zu verzichten, während unserer gemeinsamen Bürozeiten. “Nein, es macht mir nichts aus”, gebe ich zur Antwort und meine es auch so. Ich breche mir sicher keinen Zacken aus der Krone, wenn ich während der Dienstzeit auf Parfümierung verzichte. Erstaunt sehe ich, dass sie scheu lächelt, feuchte Augen bekommen hat. “Danke. Sie sind die erste Kollegin, die darauf Rücksicht nimmt. Die anderen haben sich immer extra stark “eingedüftelt”, ist ihre Antwort auf meinen fragenden Blick.
Frau D. redet gerne. Und viel. Aber ich lausche ihnen gerne, den Geschichten und Begebenheiten, die sie zu erzählen weiß. Und ja: Frau D. hat eiserne Prinzipien, die sie auch vehement verteidigt, jeglichem Mainstream zum Trotz. Nur: Was ist so falsch daran? Und ja: Frau D. mag keine Briefe auf dem PC schreiben, vermisst ihre Schreibmaschine, und die Zeiten, in denen Geschäftsbriefe noch mit derselben getippt wurden. “Lass’ Dich ja nicht als Tippse missbrauchen”, bekam ich von jemandem aus der Abteilung zu hören. Ja, und warum nicht? Was ist so schlimm daran, wenn ich für Frau D. mal schnell einen Brief “runterschreibe”, den sie mir diktiert? Im Gegenzug dazu bekomme ich nämlich exklusive Einblicke in ein tiefes Fachwissen, das heutzutage nur noch sehr wenige Menschen in der Branche haben, haben können. Sie erklärt mir Zusammenhänge, von denen die jüngeren Kollegen noch nicht mal mehr wissen, wie sie entstanden sind, und zu welchem Zweck sie dienen. Ich lerne gern von ihr, brauche ich das Wissen doch dringend für meinen (Innen-)Dienst.
Ich will nicht ausschließen, dass wir beide uns im Laufe der Zeit nicht auch mal auf den Wecker gehen werden. Aber ich finde trotzdem, dass wir in der heutigen Zeit so eine “Frau D.” dringend brauchen.
Der frische Wind der Jungen weht nämlich nicht ohne die Erfahrung der “Alten”. Wir brauchen beides, und sollten uns glücklich schätzen, wenn dieser “Mix” gelingt.
Ich jedenfalls mag sie, die Frau D. Und ich glaube, sie mag mich auch ein bisschen. Sie hat mir nämlich heute – völlig unverhofft – ein kleines Weihnachtsgeschenk überreicht, dass ich zwar heute schon, aber bitte erst zuhause aufmachen durfte. Und diesmal war ICH es, der die Tränen in den Augen standen. Sie hat mir nämlich ein kleines, feines Büchlein über mein Lieblingsland geschenkt. Und das, obwohl ich nur ein einziges Mal erwähnt habe, dass und warum ich dieses Land so mag. Und ich behaupte mal, so viel Feingefühl hätte nicht jeder besessen, der sich erst knapp vier Wochen ein Büro mit mir teilt…
Auf vielfachen Wunsch…
Ich kenne einen Bandleader von dem jeder wusste, wenn er während eines Konzertes “Auf vielfachen Wunsch” sagte, dann hat sich in Wahrheit niemand einen Song gewünscht, sondern er bastelte sich nur gerade selbst sein eigenes Wunschkonzert.
Nun, wie wir alle wissen ist das Leben eben kein Wunschkonzert – und wenn ich “Auf vielfachen Wunsch…”schreibe, dann schreibe ich das sicher nicht, um einem egomanen Ansinnen Ausdruck zu verleihen, sondern weil es wirklich so ist:
Es hat mich freudig überrascht, dass so viele Menschen meine Blogbeiträge vermisst haben. Viel habe ich zwar nicht geschrieben, aber ich habe nicht erwartet, dass meinem Blog doch so große Aufmerksamkeit zuteil wird. Nicht zuletzt der “Hannerl”-Fraktion ist es zu verdanken, dass ich mir und dem Bloggerleben noch eine Chance geben will. Die “Hannerl”-Fraktion hat mich nicht nur fast täglich dezent “geschubst”, sondern auch dafür gesorgt, dass einer meiner Artikel auf www.blogbibliothek.ch erschienen ist, einer sehr feinen, empfehlenswerten Seite mit ausgesuchten Blogartikeln.
So etwas schmeichelt natürlich ungemein ![]()
Ich könnte mich jetzt noch etwas künstlich zieren, es darauf anlegen, dass man mir Honig ums Mäulchen schmiert, mich ein wenig an der mir zuteil werdenden Aufmerksamkeit weiden. Tu’ ich aber nicht. Weil es ganz einfach nicht meine Art ist.
Deshalb nur soviel: Ich bin wieder da!
Herzlichst,
textinette
Das Leben ist eben NICHT 2.0
Heute habe ich eine Nachricht mit merkwürdig vertrautem Unterton auf einer Online-Community von jemandem aus meinem Heimatort bekommen, der mich eigentlich nur vom Sehen kennt und der mich noch nicht einmal grüßt, wenn wir uns begegnen. Spätestens da ist mir klar geworden: Das Leben 2.0 bringt nicht nur Vorteile.
Unbenommen gibt es sie dennoch, die Vorteile bei Twitter, Facebook & Co: Man trifft Leute, die man real vermutlich niemals kennengelernt hätte, oder niemals wiedergefunden/wieder getroffen hätte. Mir zum Beispiel hat Facebook unter anderem eine ganz alte Schulfreundin wieder näher gebracht, die ich 22 Jahre lang einfach aus den Augen verloren hatte. Und das, obwohl sie im Nachbarort wohnt. Wobei wir hier dann den fließenden Übergang zu den Nachteilen hätten: Ich bin sehr, sehr froh, C. wieder gefunden zu haben. Wir konnten nahtlos an das schöne Verhältnis aus Kindertagen anknüpfen und sie ist mir (wieder) eine sehr gute Freundin geworden. Aber ist der Umstand, dass es das Internet und gewisse Plattformen zum “wieder finden” braucht, nicht auch unendlich traurig? Und – was mich gerade noch weitaus mehr beschäftigt – ist es nicht noch viel trauriger, dass man den Umgang mit lieben Menschen fast ausschließlich per Facebook-Chat, SMS & Co. pflegt???
Gesteigert wird dieses “Leben 2.0″ von Facebook und Konsorten wohl nur noch auf der Plattform “Twitter”. Vorneweg: Auch ich bin eine sehr regelmäßige, vielleicht sogar fast süchtige Twitterin. Gerade, wenn man viel Zeit hat (so wie ich das vergangene Jahr), seinen Twitter-Account (und alles, was dazugehört) zu pflegen, fällt es sehr schwer, damit wieder aufzuhören. Für viele ist Twitter eine Art “virtuelles Wohnzimmer” geworden, man “kennt” sich, tauscht sich aus, erzählt vielleicht sogar innerhalb dieser Community weitaus mehr von sich, als man es im Real-Life jemals tun würde. Nur: Ist das gut so? Wo genau ist die Grenze? Das kann und muss jeder für sich herausfinden, so lautet zumindest meine Antwort. Zugegeben: Es gibt dort einige, die mir ans Herz gewachsen sind, eben WEIL sie entweder witzig-originell, oder empfindsam-menschlich, oder eben beides sind. Und die allerwenigsten davon kenne ich real. Trotzdem interessiert es mich täglich, was es von Ihnen so Neues gibt, ob es Ihnen gut geht, wo sie stehen in ihren Entwicklungen. An sich ist das ja nichts schlimmes. Nur, das LEBEN findet dort nicht statt. Leben ist sich treffen, austauschen, dabei in die Augen sehen, die Stimme hören, Gestik, Mimik, Unternehmungen, Diskussionen am runden Tisch, gegenseitige Einladungen, mehr oder weniger lange Telefonate. Und kein Real-Life-Leben passt in 140 Zeichen. Man trifft sich auf Twitter – um mal nur ein Beispiel von vielen zu nennen – sogar zum “gemeinsamen” fern sehen. Mit begleitender Diskussion. Ebenfalls in 140 Zeichen. Wo sind sie denn hin, die kuscheligen DVD-Abende mit dem Liebsten, oder mit der allerbesten Freundin?
Ich habe mich in den letzten Tagen oft gefragt, ob es mir wirklich gefällt, dass man mir nur folgen muss, um Stunde um Stunde auf dem aktuellen Stand zu sein, was mein Leben und meinen Alltag angeht. Und – nennen Sie mich altmodisch, wenn Sie möchten – NEIN! Es gefällt mir nicht. Oder vielmehr: Nicht mehr. Es gibt einige wenige, denen ich das gerne preis gebe. Aber für und mit den einigen wenigen gibt es (wenn nicht bereits vorhanden) sicherlich andere, persönlichere Kommunikationswege. Und ich bin mir sicher, es würde sich dann sehr schnell auch hier noch einmal die Spreu vom Weizen trennen… Man muss es nur mal objektiv betrachten: Wie oft kommt es vor, dass jemand, der sonst täglich und obsessiv twittert, von anderen Twitterianern vermisst wird? Sehr selten bis gar nicht. Jedenfalls meiner Erfahrung nach. Eigentlich auf der anderen Seite doch auch wieder beruhigend, dieser sicht- und fühlbare Unterschied zum Real-Life: Dort passiert sowas nicht. Mir zumindest nicht. Meine Freunde würden es sofort merken, würden sie einmal nur einen Tag lang nichts mehr von mir hören. Und sie würden auch sofort nachfragen, dessen bin ich mir sicher.
Warum ich Ihnen das alles erzähle? Nun, vermutlich, weil meine Entwicklung gerade weiter geht (oder anders herum gesagt, ehr “back to the roots” geht) und es mir leichter fällt, darüber nachzudenken, wenn ich es schreibe. Und weil ich fast davon überzeugt bin, dass der ein oder andere von Ihnen bereits einmal ähnliche Gedanken hatte.
Ein endgültiges Fazit habe ich für mich noch nicht gezogen, eine ultimative Konsequenz gibt es auch (noch) nicht. Eines aber ist sicher: Verbindung zu mir lieb gewonnenen Menschen kann ich nicht ausschließlich per Chat, Twitter und SMS halten. Dazu bin ich viel zu sehr 1.0 …
Das “1+3″-Versprechen
Neulich im IKEA. Den Einkaufswagen längst vollgeladen mit Dingen, die ich eigentlich gar nicht brauche, froh über die Tatsache, dass heute wohl mal alles glatt gegangen ist, eile ich mit Sohnemann im Schlepptau Richtung Kasse. Mist. Zu früh gefreut. Selbst an den SB-Kassen (ja, genau – die zum selber scannen) herrscht Andrang. Eine Azubine, in klassischem Gelbblau gewandet, spielt Platzanweiserin. Statt zu kassieren, was die Schlangen vermutlich effektiver minimieren würde. Aber “Kasse machen” stand wohl bislang noch nicht auf dem Lehrplan.
Also reihe ich mich mit Einkaufswagen-Überlast, Sohnemann und bereits ein klein wenig nervös zuckendem Augenlid in die mir am kürzesten erscheinende Warteschlange ein. Innerlich stöhnend über die vermutlich lange Zeit, die ich mich als Glied in dieser unliebsamen Kette befinden werde, sortiere ich erst mal den ganzen Kleinkram im Wagen. Damit es nachher schneller geht. Immer schön vorbildlich den Barcode voraus, wie man es von mir als braver IKEA-Kundin erwartet. Ein kurzer Blick nach vorne zeigt schnell, dass diese Nebenbeschäftigung mir nur ein ganz klein wenig der Zeit vertrieben hat, die ich noch warten muss. Eigentlich eine gute Gelegenheit, mich mal ein bisschen umzusehen, die Menschen links und rechts neben mir zu beobachten, statt mir weiter unnütze Gedanken über meinen ins Wanken geratenen Zeitplan zu machen. Zuerst fällt mein Blick auf ein fast amüsantes Mutter-Tochter-Gespann, welches krampfhaft versucht, ein kleines Mädchen (naheliegender weise wohl das Tochter-/Enkelkind) am Ausreißen zu hindern. Mit latent vorhandener Häme stelle ich fest, dass die beiden in der Nachbarschlange wohl noch weiter hinten stehen, als ich in meiner. Rechts neben mir ein Rentnerehepaar mit – oh Wunder – nur EINEM Artikel in der Hand, krampfhaft auf der Suche nach einer (nicht vorhandenen) Express-Kasse für maximal 6 Artikel. Er flucht, sie beschwichtigt. Er trippelt nervös von einem Fuß auf den anderen, sie sucht mit den Augen die nicht enden wollenden Warteschlangen ab, getrieben von der unsinnigen Hoffnung, doch noch eine Lücke zu finden. Er schimpft schon wieder. Und sie weiß nicht mehr, wie sie ihn und sich noch besänftigen soll. Es fallen ein paar unflätige, typisch fränkische Kraftausdrücke, die ich hier nicht weiter kommentieren möchte.
Nach dieser Beobachtung entschließe ich mich spontan, dass mir die ganze Warterei ab sofort gar nichts mehr ausmacht und versuche, einen möglichst geduldigen, weltgewandten und aufgeklärten Gesichtsausdruck hin zu bekommen. Zur Untermalung des Ganzen wende ich mich mit einem „Macht doch nix, oder? Wir haben Zeit, gell?“ an Sohnemann, der vor lauter Gähnen schon rotgeäderte Augen hat. Ganz kurz frage ich mich, woran es wohl liegen mag, dass mein Filius grundsätzlich in jeglicher Art von Warteschlange anfängt zu gähnen, als eine sonore, unverkennbar unterfränkische Männerstimme meine Gedanken jäh unterbricht, als sie über den Lautsprecher verkündet: „Lieber Kunde! Hol‘ Dir jetzt frische Ideen in Dein Wohnzimmer. ……blablabla…“. Ich kann der freundlichen Stimme leider gedanklich nicht mehr folgen, weil ich krampfhaft versuche dahinter zu kommen, was da so falsch klingt in meinen Ohren. Und mit einem Mal weiß ich es: Ein unterfränkischer IKEA-Mitarbeiter duzt seine Kundschaft. DAS stimmt also nicht. Aus seinem Mund und mit seinem Slang hört sich das „Du“ in etwa genauso richtig an, wie wenn man Würzburgs Bischof mit einem lockeren „Hey Friedi, alte Hütte! Alles fit?“ begrüßen würde.
Schwedische IKEA-Philosophie meets unterfränkische Steifheit. Na super! Innerlich giggelnd und kichernd über dieses “Beinahe-Absurdum”, schiebe ich meinen Einkaufswagen (immer noch weltmännisch schauend) ein Stückchen weiter Richtung Kasse. Gleichzeitig denke ich an IKEA in Fürth und male mir aus, wie sich die Kundendurchsage wohl in mittelfränkisch anhört? Mit diesem fiesen „l“? Deutlich sichtbar schüttle ich den Kopf, um diesen haarsträubenden Gedanken schnell loszuwerden. Um mich abzulenken, richte ich meinen Blick geradeaus und stelle fest, dass ich den Kassierer jetzt schon deutlich erkennen kann und nur noch sieben bis neun Kunden vor mir dran sind. Und mit einem Mal sehe ich es – unscheinbar an einen Betonpfeiler getackert und in gewohnter IKEA-Manier geschrieben: Das Schild, das aussagt, dass IKEA es sich zum Ziel macht, „3+1“ zu erfüllen. Gemeint ist, dass IKEA bestrebt ist zu erreichen, dass an allen Kassen immer nur 3 Leute warten, während 1 bezahlt. Ziel verfehlt, würde ich sagen.
Endlich an der Kasse angekommen ist dann übrigens schon wieder Schluss mit „Schweden meets Unterfranken“. Der Jüngling an der Kasse siezt mich. Und fragt mit strenger Miene nach meiner „Family“-Card. Die ich natürlich noch nicht habe. Was sich aber – nach weiteren gefühlten 5 Minuten und nicht ohne die zehn bis zwölf ungeduldigen Kunden hinter mir beinahe in den Wahnsinn zu treiben– schlagartig ändert…
Von Strato, verlorenen Artikeln und der Zeit
Oberdoppelblödermist. Meine Strato-Homepage ist bis Dienstag out of order. Und mit ihr 3 nicht ganz unwichtige Blogeinträge. Erst am Dienstag wieder herstellbar. Super. Jetzt sieht es so aus, als wäre ich in den letzten Wochen zu faul zum bloggen gewesen. Traurig aber wahr. Ganz zu schweigen von der vielen Zeit, die ich überwiegend wartend in sog. Support-Hotline-Warteschleifen verbracht habe. Was habe ich daraus gelernt? Konsequenzen ziehen! Und zwar wie folgt:
Strato ist gekündigt, ein neuer Webhoster bereits gefunden. Bleibt zu hoffen, dass ich mit einem blauen Auge davon komme.

